1745-1995 Das Gasthaus Zum Wenden wird 250 Jahre

Zwei Jubiläen: Ersterwähnung 1495 - Neubau 1745

Das seit 1654 mit dem Schankrecht ausgestattet und sorgsam renovierte Anwesen feiert in diesem Jahr sein 250-jähriges Bestehen, zugleich kann es in diesem Jahr aber auch auf eine 500-jährige Geschichte zurückblicken.

Als erster Besitzer in den Salbüchern des Heilig-Geist-Spital zu Nürnberg, das bis ins 19.Jahrhundert der Grundherr des Anwesens war, wird 1495 der "Furmann" Petter Riethausser d.Ä. erwähnt. 1530 wird dann dessen Sohn Hanns Riethausser, ebenfalls Fuhrmann, als Besitzer vermerkt. Als Zins hatte der jeweilige Besitzer dieses Hauses an den Grundherren - das Heilig-Geist-Spital - eine "Fastnachthenne" zu entrichten. Diese jährliche Bestätigung des Lehensverhältniss in Naturalienwar im Mittelalter eine gängige Zahlungsweise und wurde erst im 19.Jahrhundert durch feste Geldbeträge abgelöst.

Zurück jedoch zu unserem Jubiliar: Ob das Haus, das von den Riethaussern bewohnt wurde, dasselbe ist, das 1745 als baufällig bezeichnet wurde und dem Neubau weichen mußte, ist unklar. Es ist durchaus möglich, dass das erste Wohnhaus in den Wirren des 2.Markgrafenkrieges 1552/53 unterging und danach ein Nachfolgebau errichtet wurde. Mit dem Töpfer Niclaus Georg, der 1646 das Haus erwirbt oder schon bewohnte, finden sich auch konkrete Querverweise auf den späteren Hausabriss und Neubau. Berufsbedingt baute entweder er, oder sein Sohn Leonhardt Georg an das Gebäude ein eingeschossiges "mit einer Stube und einem Hafnerbrennofen versehenes Häuslein". Ebenfalls auf Niclas Georg geht eine Rechtsverschreibung von 16454 zurück, ohne die es heutzutage gar keine Gasthaustradition gäbe: Er veranlaßte, dass das Recht der "Bier-Schenk" auf dieses Haus übertragen wurde.

Von den Wild über die Meier an die Familie Enßer/Weigler

Mit der Wittwe Margaretha Wild, die von ihrer Schwester Maria - ihrerseits die Wittwe von Leonhardt Georg - das Anwesen erbt, geht 1706 die Wirtschaft auf die Familie der späteren Bauherren über. 1710 übernimmt deren Sohn die Schankwirtschaft.

Wie aber sah der Vorgängerbau des heutigen Wirtshauses aus? Durch erhaltene Bauakten ist eine detaillierte Darstellung erhalten. Danach entstand das Wohnhaus im Erdgeschoss aus einer Stube, einer Kammer, dem Flur, dem Keller und dem rückwärts gelegenen Stall. Das nur vorne ausgebaite Obergeschoss hatte wie unten eine Stube, eine Kammer und Speicherräume. Die einzige Heizmöglichkeit war im Erd- und Obergeschoss in der Stube.

Im Erdgeschoß waren außerdem die Brandweinkessel untergebracht. In dem rückwärtigen Teil des Hauses war die Töpferwerkstatt mit dem Brennofen untergebracht. Der Bau wurde durch eine Stallung im Hofraum vervollständigt.

Insgesamt wird dieses Haus 1745 als „baufälliges Waldrecht habendes, vorne zwei- hinten aber eingängiges Zwerchhaus“ von „40 1/2 Schuh“ Länge, „34 ½“ Schuh Breite und „33 Schuh“ Höhe, also umgerechnet 12,2 x 10 x 9,9 Meter beschrieben.

Die eher beiläufig wirkenden Wörtchen „Waldrecht habend“ bekommen in Hinblick auf die Baumaterial-Beschaffung für die damalige Zeit eine wichtige Bedeutung, da nicht vergessen werden darf, dass zu dieser Zeit die Waldgebiete grundherrlicher Eigenbesitz oder Gemeinschaftsbesitz von Gemeinden waren. Ein einzelner Bauherr durfte also damals nicht einfach eine Anzahl von Bäumen zum Hausbau schlagen, sondern musste erst den Grundherren befragen. Dieser genehmigte dem Bauherrn nach Prüfung durch einen Beamten vor Ort eine Anzahl von Baumstämmen.

Unser Bauherr Conrad Wild hatte 1745 insofern Glück - da er Waldrecht hatte – und bekam so gratis von seinem Grundherren, dem Heilig-Geist-Spital, 80 Stämme und „15 Seeg Schöth“ zugesprochen. Im Gegensatz dazu hätte ein Hausbesitzer ohne Waldrecht wesentlich weniger oder gar keinen Baumstamm zugesprochen bekommen, er hätte das Bauholz kaufen müssen.

1745: Das neue Haus

Wie sah nun der geplante Neubau aus? Als grundsätzlichste Änderung ist am Neubau der Bau des Erd- und Obergeschosses aus Sandstein zu bemerken, anstatt eines Walmdachs wird nun ein Satteldach mit einem dreigeschossigen Giebel aufgesetzt. Im Erdgeschoss ändert sich was die Raumgestaltung betrifft relativ wenig: Die Wirtsstube mit dem Ofen und der Keller bleiben erhalten, lediglich die Kammer und der Stall müssen einem größeren Treppenhaus weichen – der Stall selbst wird in die linke Haushälfte verlagert (heute als Küche genutzt). Neu ist der Einbau einer „Brandweinstuben“, neben der ein Backofen zur Aufstellung kommt. 

Ein knappes Jahrzehnt war Johann Wild noch der Betrieb der neuen „modernen“ Wirtschaft vergönnt, bis er verstarb. Seine Witwe heiratete 1754 Conrad Meier. 1775 finden wir als Besitzer mit Georg Meier einen Namensvettern, der durch Heirat von Conrad Meiers Tochter das Wirtsgut erwarb. Diesem Georg Meier folgten 1801 sein Sohn Georg Friedrich und 1818 sein Enkel Georg Meier. Mit dem Tod des letzterem 1852 führt seine Witwe Kunigunde die Wirtschaft weiter und übergibt sie bei der Hochzeit ihrer Tochter Elisabeth an deren Ehemann Martin Ensser.

Die Familie Weigler

Da Johann Martin Ensser ohne männlichen Erben blieb – so wird es bis heute in der Familie Weigler erzählt – habe er seiner Tochter Elisabeth geraten, den damaligen Rossknecht der Wirtschaft, Karl Weigler, zu ehelichen, um das Gasthaus in der Familie zu halten – was diese auch freiwillig oder unfreiwillig befolgte. 

Mit Karl Weigler und seinen Nachkommen bewirtschaftet diese Familie heute in der dritten Generation die Traditions-Wirtschaft in Wendelstein. Vor 100 Jahren errichtete Karl Weigler dann einen „Sommerpavillon“ aus Holz neben dem alten Haus für die Sommerfrischler und die Wochenendausflügler aus dem Nürnberger Raum. Dieser Anbau wurde nach dem 2.Weltkrieg, seit 1923 bereits führte der Sohn Hans Weigler die Wirtschaft, einem modernen Bau mit Metzgerein und Hotelzimmern geopfert.

Als in den 60er Jahren Hans Weigler das Wirtsgut an seinen Sohn Günter Weigler übergab, ließ dieser zunächst innen modernisieren. Zwischen 1983 und 1985 erfolgte eine umfassende Innen- und Außenrenovierung des Gebäudes. Im Zuge dieser Renovierung wurde auch der Metzgereianbau wieder abgerissen und in veränderter Form als Teil des neuen Hotels „Zum Wenden“ wiederaufgebaut.

1991 wird die ehemalige Metzgerei in einen Tagungsraum umgebaut, die Bettenzahl des Hotels wird auf 45 erweitert.

Könnte unser Jubilar mehr als nur seine Baugeschichte erzählen, er würde so manches „Geschichtla „ aus seinem Inneren und aus seiner Umgebung präsentieren... (Jörg Ruthrof)

(Aus dem Heimatarchiv des Heimatvereins Unt. Schwarzachtal e.V.)

© Gasthaus Hotel "Zum Wenden" 2013